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Die Nacht der Fahrgeschäfte


image Ein langer Kirmestag ist zu Ende. Gegen 12 Uhr tauchte ich gestern zum ersten Mal am Platz auf, jetzt ist es nach Mitternacht, ich bin gerade erst von der Kirmes zurückgekehrt. Auf dem Hinweg hatte ich mit dem Fahrrad noch gegen den Wind angekämpft, es fühlte sich so an, als wäre ich mit platten Reifen gefahren. Auf dem Rückweg fühlte ich mich plötzlich so stark wie Floyd Landis nach Einnahme seiner Testosteron-Tabletten. Entweder lag es am Rückenwind, am Koffein einiger Gläser Cola light oder am verstärkten Hormonausstoß nach den Besuchen einiger Fahrgeschäfte.

Olympia-Looping

Bereits am Nachmittag probierte ich den „Olympia-Looping“ aus, die neue Achterbahn. Bis zu 100 km/h beschleunigt der Zug. Zunächst fährt er bis in 33 Meter Höhe, ehe er die Fahrgäste in einer Steilkurve nach unten sausen lässt. Im Looping und in den Kurven wirken Kräfte von bis zu fünf G (zum Vergleich: Pkw beim Anfahren 0,3 G; Verkehrsflugzeug 1,5 G; Space Shuttle beim Start 3 G; Faustschlag ins Gesicht 100 G).

Etwas unangenehm ist der Schulterbügel, den Mitarbeiter von oben hinunterpressen. Allerdings garantiert dieser Bügel auch, dass man fest sitzt, nicht abhebt und sich dadurch nicht irgendwie poliert, wie es im Ruhrgebiet so schön heißt. Glücklicherweise knallt der Kopf auch nicht zwischen Haltebügeln hin und her – wie zum Beispiel beim „Eurostar“.

Gerade die erste Abfahrt macht einen Heidenspaß, auch die Loopings sind angenehm. Die Achterbahn ist nicht allzu rasant, und das kann ich mittlerweile guten Gewissens sagen. Denn vor zwei oder drei Jahren hatte ich noch jedes „heftige“ Fahrgeschäft besucht und fand alles recht langweilig. Mittlerweile merke ich die Belastung schon deutlicher, man wird alt - wie Sie an meinen Lebensdaten sehen, gehe ich bereits auf die 30 zu…

Am Ende einer Olympia-Fahrt schmerzen die Schultern vom Druck dann aber doch *etwas*, aber wirklich nur leicht. Insgesamt muss ich sagen: Eine Fahrt zum Ausprobieren lohnt sich allemal und kann (ich bin mal lieber vorsichtig: bei gesundem Körperbau) nicht schaden!

Riesenrad

Was soll ich sagen – ich habe gestern doch tatsächlich die ganze Zeit im Riesenrad mit meinem Sitz-Gegenüber getratscht, anstatt ein wenig mehr nach draußen zu schauen. Also lieber kein Kommentar zur Riesenradfahrt und besser ein schönes Foto des Glanzes der imposanten Attraktion.

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Spinning Racer

Die Entdeckung dieser Kirmes! Von außen sieht diese Achterbahnfahrt so aus wie eine weiterentwickelte „Wilde Maus“. Tja, und das ist sie auch! Die Wagen können sich drehen, was dazu führt, dass man bei abrupten Richtungswechseln nicht leiden muss. Bei der „Wilden Maus“ hingen Hals und Kopf regelrecht noch in der Kurve, während sich Oberkörper und Beine mit dem Wagen schon auf der nächsten Geraden befanden.

Gleichzeitig machen die drehbaren Waggons die Fahrt interessanter, auf eine positive Weise. „Spinning Racer“ ist rasant, aber angenehm. Keine Schmerzen, keine Übelkeit – das konnten mehrere Fahrgäste direkt nach der Fahrt ebenfalls bestätigen. Hier überlege ich sogar, noch ein weiteres Mal im Verlauf der Kirmes mit zu fahren.

Van Helsing

Kein Fahrgeschäft, sondern ein Laufgeschäft ist „Van Helsing“. Bei allem Respekt vor Kreativität und Engagement der Schausteller, die sich immer wieder etwas Neues ausdenken: Dieses Laufgeschäft ist für meine Begriffe schlichtweg peinlich. Verschiedene Spukfiguren (Hannibal Lecter, eine Hexe, Frankenstein usw.) erscheinen plötzlich in einem hellen Licht, dazu kichern sie gaaanz böse. Auf dem Boden verschieben sich ab und zu ein paar Platten, einmal kommt einem die gepolsterte Decke ein Stück weit entgegen. Bei anderen Laufgeschäften konnte ich zumindest noch über die Inszenierungen lachen, „Van Helsing“ ist ein echter Reinfall. Wer sich dafür allerdings begeistern kann: Ich bin gespannt darauf, wie derjenige dies begründet!

Skater

image Zu den wilden Klassikern zählt der „Skater“, sternenförmig sind hier die 5er-Gondeln angeordnet, in denen die Fahrgäste beinfrei „hängen“. Aus dem letzten Jahr ist mir der „Skater“ in guter Erinnerung geblieben, in diesem Jahr war die Fahrt deutlich heftiger. Ob es wieder daran liegt, dass ich älter geworden bin? Sehr beunruhigend… Auf jeden Fall meldete sich der Backfisch im Magen, zwei Minuten nach Ende der Fahrt hatte sich aber wieder alles beruhigt. Und spaßig war die wilde Schleuderfahrt durchaus, nur ob es ein zweites Mal sein muss – mal sehen.

Fehlen nun eigentlich nur noch „Airwolf“ und – „Sky Screamer“. Ich hatte gestern keine Gelegenheit, diese Fahrgeräte zu testen aber kommt Zeit kommt Test…

Immerhin bin ich gestern zweimal mit dem Fahrrad zur Kirmes geradelt, was bedeutet: zwei mal zwei mal vier Kilometer Strecke = 16 Kilometer. Angesichts dieser Marathonetappe darf man mir doch auch ein wenig Ruhe gönnen und muss nicht alles zugleich probieren oder?

image Was ich sonst den Tag über auf der Kirmes getrieben habe – abgesehen vom kleinen Boxenstopp zu Hause (Mittagspause), rolle ich morgen auf. Bei interessanten Recherchen ergaben sich neue Erkenntnisse und neue Eindrücke! Ein kleiner Vorgeschmack: Leben im Schaustellerwagen und Eisverkauf mit eigener frischer Waffelproduktion.
 
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