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Nichts ist so schön...

image Ein etwas leerer Kirmesabend, gestern lichteten sich schon früh die Gassen. „Nix los“ wie man so schön sagt, wahrscheinlich der bisher leerste Tag. Dafür trat jemand anderes umso mehr in Erscheinung: Der Mond von Wanne-Eickel. In einer für Ruhrgebietsverhältnisse dunklen Nacht konnte er seine Strahlkraft voll entfalten und „seine“ Kirmes erhellen. Mir wies der Mond den Weg nach Hause, schnurgerade die Dorstener Straße entlang.

“Nichts ist so schön wie der Mond von Wanne-Eickel”, beginnt der Songklassiker, genaueres über das Lied ist in einem Bericht des Herner Netztes nachzulesen.

Einige treue (Wanne-Eickeler) Crange-Fans übertönten gestern Abend noch die “Bochum"-Hymne Herbert Grönemeyers. Da war dann nur noch “Wanne-Eickel ich komm aus dir” zu hören. Bochumer Kirmesgäste können sich dabei so ziemlich jeden Abend auf “ihr” Lied freuen, Steinmeister spielt es immer irgendwann vor 0 Uhr.

Mein Kirmestag war gestern insgesamt recht kurz. Schließlich habe ich auch nicht jeden Tag gleich viel Lust. Die Schausteller können sich das natürlich nicht so einfach aussuchen, sie müssen immer auf dem Platz präsent sein. Zurückziehen können sie sich zwischendurch dennoch: Während viele Schausteller auf dem „Schweinemarkt“ (eine große Wiese in Herne-Wanne) residieren, haben einige ihren Wohnwagen direkt auf dem Kirmesplatz – so auch die Familie Schmidt.

Leben im Wohnwagen

Claudia und Frank Schmidt luden mich zu einem Besuch ihres Wohnwagens ein. Dieser steht direkt hinter Schmidts Autoscooter, der sich wiederum neben der Wildwasserbahn befindet. Claudia Schmidt muss wahrlich nicht zur Wasserbahn gehen und Wäsche waschen, dafür steht ihr im großzügigen Wohnwagen (17 Meter x 4 Meter) eine Waschmaschine zur Verfügung, anschließend kommt die Wäsche in den Trockner. Auch Fernseher, Spüle, Dusche und WC dürfen nicht fehlen. Alle Geräte und Einrichtungen haben völlig normale Größen, kein Kleinbau für Mobilheime! Ach ja, eine Mikrowelle ist selbstverständlich auch dabei, ebenso eine kleine Kochzeile. Die Schmidts können ihren beiden Töchtern (neun und elf Jahre alt) schließlich nicht von März bis Oktober das Kirmesessen der Schaustellerkollegen auftischen. Jeden Tag Backfisch und Germknödel würde sich auf der Waage bemerkbar machen.


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Familienmutter Claudia wäre sogar am liebsten das ganze Jahr über im Wohnwagen – zusammen mit den zwei (OK, nicht allzu riesigen) Hunden und den zwei Schlangen im Terrarium. Letztere stehen allerdings unter der Obhut Frank Schmidts, seine Frau will mit den länglichen Viechern nichts zu tun haben.

Neben der komfortablen schwarzen Ledercouch des Wohnwagens steht übrigens das Familienlaptop mit Internetanschluss. Liebe Grüße von mir an dieser Stelle, wenn ihr das hier gerade liest! (Anm. d. Autors: Unter Journalist und Schausteller haben wir uns aufs „Du“ geeinigt.)

Wer noch ein wenig mehr über den Wohnwagen lesen möchte, kann morgen auch einen Blick in die Ausgabe der WAZ werfen, Lokalteil Herne/Wanne-Eickel. Dort gibt es dann auch ein Foto eines professionellen Fotografen. Auf den kleinen Bildern hier im Internet hätte ich die Wohnwagenszenerie nur schlecht einfangen können.

Neues gibt’s zum Thema Crangetaler: Ich hatte bereits geschrieben, dass Schausteller die Schlemmertaler vereinzelt nicht annehmen und sogar sehr viele nur jeweils einen Taler akzeptieren und sich den Rest bar bezahlen lassen. Meine Vermutung, woran dies liegt, hat sich ebenfalls bestätigt: Druck und Vertrieb finanziert Stadtmarketing Herne, den Rabatt (25 Taler gab es für 20 Euro) bezahlen jedoch die Schausteller. Sie können Crangetaler beim Stadtmarketing eintauschen, allerdings bekommen sie dafür sogar weniger als die von mir vermuteten 85 Cent heraus. Es sind 60 Cent.

Während einige Schausteller offensichtlich murren, hatten die Kirmesbesucher die Schlemmerpässe im Vorfeld gut angenommen, allein von diesem neuen Bummelpass (also jetzt ohne Fahrpässe) wurden 4500 Stück verkauft.

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Der Unwille einiger Schausteller, die Taler komplett zu akzeptieren, brachte aber während der Kirmes dann auch einige Besucher auf. WAZ-Leser gaben in der Lokalredaktion Bescheid, schrieben einige Leserbriefe. Darin wird zum Beispiel kritisiert, dass man im Endeffekt mehr Geld ausgibt, wenn man immer noch bar draufzahlt. Denn die nicht akzeptierten Schlemmertaler bleiben regelrecht übrig, man kauft sich noch etwas zusätzlich, was eigentlich gar nicht eingeplant war.

Nach den Beschwerden hielten Stadt und Schausteller eine Krisensitzung, um die Probleme zu beseitigen. Jetzt sollen die Probleme gelöst sein. Falls es doch noch Schwierigkeiten gibt: Die Stadt hat unter 0 23 23 / 91 90 50 eine Beschwerdehotline eingerichtet. Mal sehen, ob man jetzt wirklich überall auch Schlemmertaler verwenden kann und auch nicht nur einen abgibt und dann den Rest bar bezahlen muss.
 
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