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Zehn Tage Achterbahn vor der Haustür

image Eine erneute Fahrt mit dem „Spinning Racer“ machte mir (links) sichtlich Spaß, WAZ-Redakteurs Wolfgang Laufs zog dagegen im Moment der Bildaufnahme (Foto: Winfried Labus) nicht ganz so ein glückliches Gesicht. Er versicherte mir allerdings nach zwei Fahrten - wir starteten einmal auf der Vorderseite, einmal auf der Rückseite des Wagens -, dass ihm der Achterbahnritt gut bekommen sei. Na dann – auf zum „Sky Screamer!“

Direkten Kirmesanwohnern bleiben aber nicht nur die Vorzüge einer Achterbahn, sondern auch die negativen Begleiteffekte. Fahrgeschäfte rattern, surren und spielen laute Musik.

image image Familie Richter wohnt auf der Dorstener Straße, und zwar auf Höhe der Kirmes. Um genau zu sein: Der Olympia-Looping steht nur 50 Meter entfernt, der Duft von Mandeln und Lebkuchenherzen kann regelrecht in die Wohnung ziehen. Fast den ganzen Tag lang ertönt Musik, kreischen die Schausteller, rattert der Olympia-Looping.


Nicole und Volkmar Richter, beide 37 Jahre alt, nehmen den Lärm aber gelassen. Als gebürtige Wanne-Eickeler sind sie echte Kirmeskinder. Seit fünf Jahren wohnen sie direkt an der Kirmes, fast genau so lange wie Töchterchen Lisa-Marie (fünfeinhalb) auf der Welt ist.

Das Kinderzimmer der Kleinen liegt zwar zum Glück nicht auf der Kirmesseite. Aber das Einschlafen gestaltet sich für die ganze Familie trotzdem schwieriger. Dann sagt Nicole Richter überraschend über die Lärmbelastung: „Das Schlimmste ist schon vorbei!“

Die Aufbauarbeiten seien viel schwieriger zu ertragen, wenn die Arbeiter der Schausteller sich gegenseitig anschreien und (mit Hilfe der Lkws) anhupen. An das Gedudel während der Kirmes gewöhne man sich dagegen recht schnell. Unpraktisch sei es nur, wenn die Rollladen unten bleiben müssen, damit es leiser ist. Denn herrschen draußen hohe Temperaturen, hätten die Richters ihre Fenster lieber geöffnet. (Komplettes Interview mit Nicole Richter: Morgen WAZ Herne/Wanne-Eickel)

Wochentags gegen 12.20 Uhr haben auch die meisten Schausteller die Rollladen ihrer Betriebe noch heruntergelassen. Fischhaus Lichte verteilt allerdings bereits die ersten Fischbrötchen an neugierige Besucher, die einmal ganz früh dabei sein möchten und zusehen wollen, wie die Schausteller den Tag beginnen.

image Die Wüstenschiffe des Kamelrennens stehen noch, bei Steinmeister läuft schon längst Musik. Offiziell beginnt die Kirmes jeden Tag erst um 14 Uhr. Nur am Sonntag, da sollen alle wirklich schon früher loslegen, soll sich zum Beispiel schon der Rotor ab 12 Uhr drehen.

Rotor

Hier bin ich (diesmal rechts) erneut mit WAZ-Redakteur Wolfgang Laufs zu sehen, und zwar während einer drehenden Fahrt im Rotor. Fotograf Winfried Labus wagte sich für die Bildaufnahme sogar mit in den Rotor und beobachtete folgendes: Die Arme konnte ich gerade noch so hochnehmen, das Hochnehmen des Kopfes war dagegen unmöglich. Man sollte darüber hinaus immer geradeaus schauen, dann wird einem nicht übel. Sobald ich (selbst als der Zylinder später stillstand) einen Blick auf den Boden riskierte, drehte sich alles vor meinen Augen.

image Während der Fahrt machte sich wohl bemerkbar, dass ich etwas zu leicht bin: Denn die Fliehkraft wirkte bei mir nicht so stark, als dass sie mich bombenfest gegen die Wand presste. Manchmal rutschte ich stückchenweise herunter. Dadurch weiß ich nun, wie sehr es zwicken kann, wenn die Boxershorts hochrutscht…

Also: Im Rotor lieber nicht auf Shorts setzen. Welche Unterwäsche für Damen am besten geeignet ist, kann ich leider nicht sagen.

Hier gibt es ein weiteres Bild aus dem Rotor, der Bericht dazu ist gerade auf http://cranger-kirmes.de/ zu lesen.

Kirmesfazit mit Zukunftsplänen

Auf einer Zusammenkunft von Schaustellern und Herner SPD-Ratsfraktion wurde Donnerstagmorgen über die Cranger Kirmes 2006 diskutiert, um Rückschlüsse für das nächste Jahr zu ziehen. Die Politiker sicherten den Schaustellern gleichbleibende Standgebühren für das nächste Jahr zu. Dann soll es auch wieder Crangetaler geben, allerdings mit einer besseren Kommunikation im Vorfeld. Speziell am ersten Wochenende gab es viel Ärger mit den Schlemmertalern, einige Schausteller akzeptierten diese nicht oder zumindest nur teilweise. Nach einer Krisensitzung sollten alle Probleme ausgeräumt sein. Am Beginn des gestrigen Tages wollte die Verkäuferin des Churro-Stands (Churro = spanisches Spritzgebäck) aber meine Schlemmertaler nicht nehmen. Begründung: „Jetzt zu Beginn brauchen wir erst mal Bargeld für die Handkasse.“ Erst später könne ich mit meinen Talern wiederkommen. Grmpf.

Wem angesichts dessen noch nicht der Appetit vergangen ist, hier ein paar kulinarische Tipps: Champignons schmecken auch gut mit Currysauce, die ist nicht so fettig wie Käse-Sahnesauce oder Sauce Hollandaise. Currysauce auf die Pilze gibt es zum Beispiel beim Champignonstand, den man passiert, wenn man von Steinmeister Richtung Schleuse geht.

Culinaria Crange

Recht verbreitet sind in diesem Jahr schokoumhüllte Erdbeeren. Ich habe die Version mit weißer Schokolade gewählt – lecker! Außen zarte Schokolade, innen eine fruchtige und weiche Erdbeeren. Überhaupt hat sich die Auswahl an Schokofrüchten vergrößert: Zu den Klassikern zählen umhüllte Bananen und Schokoweintrauben. Mittlerweile sind nicht nur Erdbeeren gekommen, sondern auch Ananas und Kokosnuss mit Schokoüberzug. Besonders appetitlich sieht die Version der schokoumhüllten Kokosnuss aus, auf der noch eine Weintraube und eine Erdbeere thront – „festgeklebt“ mit Schokolade natürlich.

Kokosnuss steht wie üblich auch unglasiert in größeren Stücken zum Verkauf und – in diesem Jahr zum ersten Mal gesichtet – in ganz kleinen Stücken getrocknet und leicht karamellisiert. Diese Kokossplitter verkauft der Mandelstand, auf den man trifft, wenn man vom Cranger Tor wieder Richtung Kirmes geht. Andere einfallsreiche Kreationen wie Rum-Mandeln gibt es dort auch.

image An den Backfischständen wird ebenfalls ein neuer Trend ersichtlich: Panierte Tintenfischringe und Knuspergarnelen. Schön, dass zunehmend mehr Schausteller immer mehr Auswahl anbieten.

Rätsel

image Zu guter Letzt die Auflösung des gestrigen Rätsels: Das Schnapsregal hängt an der Decke eines Steinmeister-Pavillons. Zu erkennen war dies an der ganz linken Flasche (halb im Bild) und der sechsten Flasche von links: Gummibärchenschnaps. Den gibt’s bekanntlich nur bei Steinmeister. Das Bier soll woanders aber besser sein, habe ich gehört.
 
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