thomas s. majchrzak who vita projects about

Kirmes kurios

Zeit für ein paar Fundstücke:

image Dieser Plastikaffe schaut leider ein wenig traurig drein. Dabei müsste er sich doch wohl fühlen, hütet er doch Kokosnussstücke. Und eine Palme steht ihm, wie man andeutungsweise auf dem Foto sieht, ebenfalls zur Seite – echte Urwaldatmosphäre!

Am Crêpestand neben der Wasserbahn prangt folge Urkunde:

image „Das GUINNESS BUCH DER REKORDE bestätigt nach sorgfältiger Prüfung die Rekordleistung: Schnell und heiss: Michael und Stefanie Senk aus Bochum (D) haben auf Cranger Kirmes (D) am 7. August 2000 in zwei Stunden auf zwei Platten 449 Crêpes gebacken, mit verschiedenen Konfitüren gefüllt und kostenlos verteilt.“

Da frage ich mich: Wo war ich nur zu dieser Zeit?


image Die Crêpe-Urkunde. Am Familientag verteilte die Bude über den Tag verteilt wahrscheinlich auch zahlreiche Crêpes, da es jeden süßen flachen Pfannkuchen für 2 Euro gab.





„WC Benutzung und Händewaschen inclusive 0,40 ¤ Privater Toilettenwagen gebührenpflichtig“

image Wie gütig, dass ich mir nach dem Toilettenbesuch auch noch die Hände waschen darf! Aber ob der Spiegel zum Kontrollieren der Frisur auch im Preis enthalten ist?

Und nun zur sprachlichen Bewertung des Schildes: Seitdem ich die Lektüre des Buches „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod 2“ des Autors Bastian Sick abgeschlossen habe, benutze ich nicht nur häufiger den Genitiv. Ich achte auch auf zerhackte Wörter, die eigentlich zusammengeschrieben werden müssten – ganz also wie „WC Benutzung“. Auch „Kokos Stücke“ und „Back Fisch“ habe ich bereits entdeckt. Ebenfalls schön: „Grüsse“ per SMS am Autoscooter.

Als ich das WC-Hinweisschild zum ersten Mal erblickte, war ich wahrscheinlich genau so erstaunt wie die Toilettenwachen, als sie mich beim fotografieren des Schildes anschauten. Völlig verständnislos machten sie ein Gesicht, das in etwa sagen sollte: „Was macht der denn da?“

Das „lebendige Gespenst“ der Geisterbahn in der Nähe der Boxbude hatte dagegen vollstes Verständnis für meine Fotoaktion. Als ich ihn aufforderte, mich anzugruseln, posierte er bereitwillig.

image Hier sind die laufenden Geister übrigens immer ab 19 Uhr unterwegs. Auch das Laufgeschäft „Van Helsing“ bietet eigens Gruselakteure. Laut Geschäftsinhaberin bekommen Kinder beim Besuch manchmal auch Vampir-Gebisse aus Plastik geschenkt, damit sie gleich zurückgruseln können. „Und was, wenn einer der Gäste des Laufgeschäfts plötzlich Riesen-Angst bekommt und sofort hinaus möchte?“ Dann begleite einer der Erschrecker die ängstlichen Gäste nach draußen. Ob sich ein schockierter Besucher allerdings von Freddy Krüger oder Frankenstein nach draußen begleiten lässt… nun ja…

Am Familientag bot eine Schießbude „erniedrigte Preise“ an. Man kann die Preise ja senken, aber dass man gleich so böse mit ihnen umgeht…

„Not amused“ zeigte sich gestern ein Würstchenstand, als sich plötzlich zwei Herren vor der Bude aufbauten und laut ankündigten: „Arbeitsschutzkontrolle! Sie kochen doch mit Gas, oder? Wir dürfen ja mal rumkommen?“ Und die zwei Kontrolleure mit Klemmbrett und Zettel verschwanden mit dem Schausteller hinter dem Geschäft. Durch die laute Ankündigung blieben sofort ein paar Schaulustige stehen, zu sehen gab es aber nichts mehr. Ja, sie haben mich ertappt! Ich war – natürlich nur aus journalistischen Gründen – auch einer der Schaulustigen.

Auch Prüfungen auf Schwarzarbeit finden auf der Kirmes statt: Ein „Klomann“ wurde als Schwarzarbeiter entlarvt, er bezog gleichzeitig Arbeitslosengeld. Außerdem lag gegen ihn ohnehin ein Haftbefehl vor.

image Himmelsschreier. Ob das die korrekte Übersetzung von „Sky Screamer“ ist? Aber da Hinweisschild am Fahrgeschäft ohnehin keinen Wert auf korrektes Englisch legt („2 – 3 Persones“), belassen wir es dabei.

An der Spitze der „Sky Screamer“-Konstruktion weht übrigens eine Deutschlandfahne. Da ist ein wenig WM-Stolz übrig geblieben. Das gilt auch für das schwarz-rot-goldene Popcorn hier:

image Die Tage dachte ich mir: Wenn mein Handy auf der Kirmes gestohlen wird, bringt es überhaupt irgendetwas, wenn ich eine PIN benutze? Denn in dem Moment, in dem der Dieb das Handy raubt, ist mein Handy doch ohnehin angeschaltet. Der Dieb könnte also munter drauf los telefonieren und sich nicht um den PIN scheren. Dass man es schafft, vorher das Handy auszuschalten, ist eher unwahrscheinlich – allein schon wegen der Tastensperre.

Letztlich bin ich aber zu der Überlegung gekommen, dass ich zumindest an den Dieb appellieren könnte, dass ich meine SIM-Karte entnehmen kann. In den meisten Fällen werden es die Langfinger auf das Gerät selbst und nicht auf die persönlichen Nummern und den Telefontarif abgesehen haben. Und prompt geschieht ein ähnlicher Fall auf der Kirmes, nur mit dem Unterschied, dass der Täter hier von selbst die SIM-Karte entnahm und sie dem Bestohlenen aushändigte. So nett war der Verbrecher dann aber doch nicht: Als der bestohlene Junge dem Täter folgte und ihn zur Rede stellen wollte, bekam das Opfer auch noch einen Faustschlag versetzt.
 
Zurück zur Übersicht
 
 
© Copyright 2016 Thomas Majchrzak - [who] [vita] [projects] [about / Impressum]