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Ich verkaufe Eis

image Ich habe mich als Eisverkäufer auf Crange versucht, und zwar am Eisstand mit der bereits beschriebenen Waffelbackmaschine (Eintrag vom Donnerstag). So konnte ich auch selbst Waffeln backen und ausstanzen.

Dazu musste ich Handschuhe anziehen, denn die Waffeln sind noch ganz schön heiß. Mit dem Spachtel ein wenig unter die fertig gebackene Waffeln, dann schnell mit ihr in die Waffelrollmaschine, fertig. Leider habe ich bei den ersten Versuchen die Waffel nicht ganz richtig hineingelegt, so dass sie unten ein Loch behielt – nicht verkaufbar. Aber für ein kleines Kind zum Mümmeln reichte es noch.

Nachdem ich auch Hörnchen mit der Maschine richtig herstellen konnte, versuchte ich mich noch an den großen Waffelschalen, die manuell ausgestanzt werden (Eis-Fotos: Winfried Labus):

image Schließlich muss ich natürlich auch Eis auffüllen, denn bei Eis Manke-Coldewey muss jeder Verkäufer alles können, jeder ist Allrounder. Auf dem nächsten Bild (unter “mehr") fülle ich gerade von vorn aus der Theke verschiedene Geschmacksrichtungen Eis auf. Hier sind nebeneinander mehrere runde Eisbehälter aufgereiht, die jeweils zwei Sorten enthalten: zum Beispiel Zitrone neben Erdbeere. Diese Sorten mit Geschmack sind relativ fest und durchmischen sich daher nicht. Ein Eis mit zwei Sorten plus Sahneeis funktioniert so: Hörnchen mit der tiefsten Stelle zum Körper halten, erste Sorte vorne abstreifen, zweite Sorte an der Seite abstreifen. Dann kommt in der Regel noch eine Haube aus klassischem Kirmes-Sahneis hinzu.


image Dieses streicht man von hinten nach vorne über das Hörnchen. Die Drehtrommel des Sahneeises erreichte ich durch eine 180-Grad-Drehung um mich selbst. Das Sahneeis muss ständig in der Trommel umherlaufen, ansonsten erstarrt es zu einem harten Klumpen. Vorsichtig den Löffel hineinstecken, ihn an den Rand bewegen – schon türmt sich ein Berg am Eislöffel auf. Am Hörnchen abstreichen, fertig. So entstehen nach zwei Sorten plus Sahneeis letztlich drei kleine Hügel auf dem Eishörnchen: Jede Sorte kann der Kunde nun einzeln abschlecken, nichts ist vermischt und alles sieht kunstvoll aus. Bis das bei mir allerdings so schnell funktionierte, war ein wenig Übung notwendig.

Am stärksten in Erinnerung bleibt mir dabei nicht das korrekte Eisauffüllen, sondern die unglaubliche Herzlichkeit, die mir ausnahmslos alle Mitarbeiter bei Manke-Coldewey entgegen brachten. Und selbst der Chef behandelt jeden einzelnen Kunden wie einen guten Freund.

Wussten Sie schon, wieso sich an Eisständen immer diese rot-weißen Scheiben drehen? Albert Coldewey hat es mir erklärt: Früher versteckten sich dahinter die groben unansehnlichen Motoren der Eismaschinen. Mittlerweile sind diese Motoren nicht mehr so groß, ganz im Gegensatz zu der Maschinerie der Fahrgeschäfte: Dort muss noch einiges an Plastikabdeckungen her, um den Antrieb zu verhüllen – so auch beim „Air Wolf“, auf dem ich eine Fahrt wagte.

Ein Bekannter wollte partout seine Käppi nicht vorher absetzen: „Die sitzt fest!“ Nach zwei Minuten verabschiedete sich allerdings die Kopfbedeckung. Besonders viel Spaß macht der „Air Wolf“, wenn er von oben wieder herab fährt, am besten in der Überkopf-Situation.

image Leider bestimmt aber das ständige Wippen der Gondel die Fahrt. Von außen sieht das Fahrgeschäft dadurch wilder und spektakulärer aus, aber im Sitz fühlt das sich einfach nur nervig an. Insgesamt war die Fahrt ganz nett, aber sie könnte mit ein bisschen weniger Wippen wesentlich toller sein!

Nach der Aufregung auf den Fahrgeschäften musste ich ein wenig zu Ruhe kommen. Zeit schon mal, um das nächste Kirmesmahl zu überdenken: Da ich nicht gerne Fleisch esse, fällt die typische Kirmesbrat- oder Currywurst für mich aus.

image Außerdem könnte man Würste auch ständig auf irgendwelchen anderen, auch kleineren Festen essen. Da nehme ich doch noch lieber einen Lángos, ein ungarisches Fladenbrot. Davon gibt es in diesem Jahr sogar drei Stände auf Crange. Herzhaft am besten mit Emmentaler und Sauerrahm beim „Molnar“ (gegenüber Skyscreamer), süß sehr zu empfehlen mit Marmelade bei „Stockmar“ an der Dorstener Straße.

image Beide Lángosstände bieten aber auch Schinken und Salami an. Wer nicht gleich einen großen Lángos mag, sondern nur ein kleines Brot essen möchte, der wählt die „Burgküche“ (neben „Turbo Force“): Hier sind die Teiglinge etwas kleiner, dafür auch etwas günstiger. Besondere Beläge hier: (herzhaft) Schafkäse und (süß) Vanillepudding.

Vanillepudding befindet sich auch im Innern der großen Churros, dem schon einmal angesprochenen spanischen Spritzgebäck. Insgesamt gibt es vier Varianten: Unglasiert klein, unglasiert groß plus Füllung, Schoko klein, Schoko groß plus Füllung. Ich hatte vor der Kirmes im Herner Stadtmagazin über diese Leckerei geschrieben und unter anderem herausgefunden, dass der Spitzname auch „Spanische Donuts“ lautet – ganz einfach aus dem Grund, weil die Grundzutaten ähnlich sind. Ich wies extra darauf hin, dass es „Spanische Donuts in Sternenform“ sind, dazu erläuterte ich, dass es sich um eine „Gebäckstange“ handelt.

Die Verkäuferinnen des Cranger Churro-Stands fauchten mich allerdings im Gespräch an: „Das hat mit Donuts doch gar nichts zu tun, Donuts sind ja rund.“ Natürlich weiß ich, dass Churros nicht rund sind, daher erläuterte ich die Form bewusst erklärte noch einmal, dass ich deswegen spanische Donuts schrieb. Die Argumentation der Churro-Verkäuferin ist genau dieselbe, als wenn sie sagen würde: „Kartoffeln darf man nicht Erdäpfel nennen, weil sie nichts mit Äpfeln zu tun haben.“ Außerdem, so die Churro-Frau, komme der Churro aus Argentinien. Komisch nur, dass es ein spanisches Wort namens „Churro“ gibt, das im Deutschen „Ölkringel“ und zugleich „Haarlocke“ bedeutet. Und selbst eine professionelle Churro-Firma aus den USA schreibt, dass Churros aus Spanien kommen und sich später erst in Argentinien verbreitet haben.

Aber bei der Recherche muss ich stets verschiedene Ansichten einholen, um der Wahrheit näher zu kommen. So ließ ich mich nicht davon abbringen, für künftige Churro-Forschungen nach der Telefonnummer der Schausteller zu fragen. So kann ich zudem im nächsten Jahr erfahren, ob der Churrostand wieder vor Ort ist. „Können Sie sich ausweisen?“, fauchte es da zurück. Hm? Von mir aus, dann zeige ich eben meinen Presseausweis. „Was glauben Sie, was wir schon alles erlebt haben“, fuhr die Verkäuferin fort, „würden Sie ihre Telefonnummer überall angeben?“ Aber klar doch, meine Telefonnummer steht auf meiner Homepage, jeder Mensch auf der Welt mit Internetanschluss kann sie sehen. Das ignorierte die Verkäuferin dann bewusst oder unbewusst, vielleicht hatte sie es auch einfach nicht verstanden.

Wenn man nun noch die Erfahrung mit den Crangetalern dazu zählt („Jetzt zu Beginn des Tages brauchen wir erst mal Bargeld für die Handkasse, Schlemmertaler nehmen wir erst später“) kann man in puncto Churros nur eines festhalten: Leckeres Angebot, unfreundliche Anbieter. Schade.

Nächstes Mal machen wir Churros selbst, hier ist ein Rezept (wird bei Chefkoch.de übrigens als „Spanische Teigware“ bezeichnet):

http://www.chefkoch.de/rezepte/51491018107409/Churros.html
 
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